Ausgabe 29

Ausgabe 29

Ausgabe #29 - Druckfrisch und ab dem 05. April im Handel erhältlich! Hier geht es zur die Heftvorschau.

Features

INTERVIEW: VIKI GOMEZ - AUSGABE #14

Viki ist ein Profi durch und durch und ist schon länger an der Speerspitze der Flatlandszene als jeder andere. Er holte in einem Zeitraum von zehn Jahren drei Mal den Circle-of-Balance-Titel. Seit 2000 ist er als Pro unterwegs und hat seitdem kein Finale verpasst. Meistens landet der Red-Bull-Athlet auf dem Podium. Viki Gomez ist für mich DER Flatlander schlechthin. Wo er die Motivation hernimmt, immer noch weiterzumachen, kreativ zu sein und die Limits zu pushen, bleibt mir ein Rätsel.
Freut euch auf Viki Gomez und 100% Flatland!

Ich traf mich damals mit Viki im Hilton Hotel in Köln, wo er bereits beim Frühstück mit seiner Freundin saß. Die beiden hatten mir schon alles hingestellt, so dass wir nun gemeinsam frühstücken konnten: Frischgepressten Orangensaft, Brot, Eier, etwas Süßes. Ich hätte es mir nicht anders vom großen Buffet holen können. Was für zwei nette Menschen, dachte ich mir nur. Viki wirkte sehr wach und klar, er war von Kopf bis Fuß durchgestylt und man hat ihm die Müdigkeit des letzten Tages überhaupt nicht angemerkt. 6 Spots, 7 Outfits, harte Tricks und alle geschafft. Wer meint, dass auch nur ein Bild gestellt oder gefaket ist, Fehlanzeige. So etwas gibt es bei Viki nicht. Er lebt Flatland. Die Leidenschaft, die Kunst, all das fließt durch seine Venen. Nach dem Frühstück kramte ich mein Notizbuch heraus, damit wir mit dem Interview beginnen konnten. Dazu bewegten wir uns zu zweit in die Hotelbar und nahmen an einem ruhigen Tisch Platz. Alexa checkte Emails für ihn und machte nebenbei Notizen.

 

Name: Viki Jorge Gomez
Alter: 34 Jahre
Wohnort: Luxemburg
Sponsoren: Red Bull, Orbea, G-SHOCK, FREEGUN,
Tenga New Adult Concept, Arnette, Supporters
Support: Moto Pedals, Ares Bicycles parts,
TTM Lifestyle, Evoc, Le Fix, Fat Moose,DC Shoes
BMX seit: 1995

Es ist wirklich eine Ehre für mich, Viki, nach so einer langen Zeit, die wir uns kennen, ein Interview mit dir machen zu dürfen. Am besten du stellst dich mal vor.

Mein Name ist Jorge Gomez, ich komme aus Madrid, wo ich auch geboren bin. Mittlerweile wohne ich mit meiner Freundin in Luxemburg. Ich bin Flatlandprofi und liebe dieses Leben. Meine Sponsoren- und Supporterliste ist relativ lang. Das macht dir jetzt mal Alexa klar und schickt dir das per Email, dann hast du alles auf einen Blick.

Wow, sehr gut, Danke. So muss das sein. Jorge? Was hat es mit Viki auf sich, manche Leute schreiben oder sagen auch Bici zu Dir. Erklär mir mal, wie das gekommen ist.​

Ich war zu meinen Anfängen immer der kleinste Junge mit dem BMX-Rad. Ein kleiner spanischer Junge, braun gebrannt mit langen Haaren. Und mein Lieblingscartoon war die deutsche Serie „Wickie der Wikinger“. Ich sah halt schon so aus wie Wickie und dann noch die Haare dazu und die Tatsache, dass ich der jüngste war, hat mir den Namen Viki oder El Viki gegeben. Bici kommt nur daher, weil wir im Spanischen keinen Unterschied zwischen B und V machen.

Ich bin dann zu meinem ersten großen Contest in die USA. Zum BS-Contest nach Florida. Beim Einschreiben habe mich mit Jorge „el viki“ Gomez angemeldet. Irgendjemand hat den Namen dann zusammmengeschrieben. Daraus wurde dann Jorgelviki Gomez, so dass die Leute dachten, ich wäre Kroate oder so. Das wurde dann alles zu wild und ich habe von dem Moment an nur noch Viki geschrieben, um es leichter zu machen und damit sich die Leute meinen Namen besser merken können.

Wie kamst du zum BMX?

Wir hatten in Madrid einen großen Park damals. Der Spot hieß Retiro Park. Und da gab es eine große Asphaltfläche, wo viele Leute gefahren sind. Ich habe 1995 angefangen mit einem California BMX, nachdem ich den Film „BMX Bandits“ gesehen habe. Das California war damals ein bekanntes BMX-Rad in Spanien (BMX 2000 bei uns). 1997 bin ich dann meinen ersten Contest mitgefahren und auch direkt erster gewonnen. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt gar nicht das Gefühl, nervös zu sein. Es hat mich sogar noch mehr angetrieben, keine Fehler zu machen, wenn es in einem Contest drauf ankam. Das änderte sich dann in dem Jahr, wo ich das erste Mal Pro mitgefahren bin. Das war 2000. Da war ich dann schon nervös. Ich habe mich dann bei den Worlds in Köln als vierter in Pro qualifiziert. Das war der Hammer für mich. Weil ich im Finale aber so nervös war, bin ich dann nur Achter geworden. Außerdem wurde dort in der Nacht auch noch mein Fahrrad gestohlen und ich bin auf einem fremden Fahrrad gefahren. Andrew Ferris schenkte mir seins. Ich glaube, er wollte danach sowieso aufhören, da er von seinem BMX-Burnout eingeholt wurde.

Dann hast du erkannt, dass du nur BMX fahren möchtest? Das sich dein Leben um BMX dreht? Was haben deine Eltern dazu gesagt?

Ich bin damals, also 1999, aus eigener Motivation und mit meinem eigenen Geld nach Amerika geflogen. Ich kannte nur Nathan, der zu dem Zeitpunkt bereits in Spanien lebte und Ruben Alcantara, der vor mir in Amerika war und mich motiviert hat, rüber zu kommen. Ruben und Nathan halfen mir in den USA etwas weiter. Mein Englisch war schlecht bis nicht vorhanden, meine Erfahrung gleich null und Handys hatte man auch noch nicht. Beim ersten Contest in den USA bin ich unter die ersten Fünf gekommen. Das Preisgeld habe ich dann wieder in den nächsten Flug investiert. Es war irgendwie wie ein Computerspiel, in dem man Coins sammeln muss, um ins nächste Level zu kommen. Das funktionierte super und meine Mutter hat das natürlich auch gesehen und gemerkt. Nachdem sie meine Leidenschaft erkannt hatte, hat sich mich auch voll unterstützt. So reiste ich von Contest zu Contest und finanzierte mir mit den Preisgeldern immer den nächsten Flug.

Irgendwann ist dir Martti Kuoppa über den Weg gelaufen und ihr habt euch kennengelernt. Wie kam das?​

Martti lebte 1998 in Malaga. Da kannte ich ihn allerdings noch nicht. Aber in Spanien gingen schon diverse Gerüchte über den verrückten finnischen Flatlander rum, der alles kann und super abgeht. Außerdem sollte er ein ziemlich netter verrückter Typ sein, der die Flatlandwelt verändern würde. 1999 habe ich ihn dann ironischerweise nicht in Spanien, sondern in Florida kennengelernt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir beide Liebeskummer und waren von unseren Freundinnen getrennt. Das schweißte uns zusammen und wir wurden Freunde. Er war für  mich immer der Meister, im Grunde sehe ich ihn bis heute als meinen Lehrmeister an. Auch wenn wir uns später vom Level auf Contests vielleicht gar nicht mehr so krass unterschieden haben. Gefühlt war er für mich und den Rest der Szene immer meilenweit voraus. Er hatte einfach eine ganz andere Denkweise über Tricks und was man machen kann. Wie ein kreativer Musiker, der andere Melodien im Kopf hat, während der Rest der Welt einfach nur vorhandenen Melodien abändert oder nachahmt. Er war und ist der Leader of the Newschool. Auch in unserem neuen Edit zeigt er dem Rest der Welt wieder, was alles möglich ist. Nach so einer langen Zeit! Ich bin wirklich froh, ihn kennengelernt zu haben.

Nach 2000 ging alles Schlag auf Schlag. Ihr wart so ziemlich die krassesten Fahrer überhaupt. Egal was Contests oder Videos angeht. Hat euch das noch näher zusammmengebracht bzw. ist so KGB entstanden?

Damals fuhr Martti für Quamen und ich für Fly Bikes. Wir haben nach und nach unser Potential erkannt und merkten, dass die Leute die Rahmen wegen uns kauften und fuhren. Na ja, unsere Freundschaft, unser Fahren und unser Bekanntheitsgrad hat dann das eine zum anderen gebracht und so fingen wir mit KGB an. Wir verließen unsere Sponsoren und ließen unsere eigenen Rahmen bauen. Das hat dann ein Jahr gedauert, bis sie auf den Markt kamen. KGB stand für „Kuoppa Gomez Bikes“ und wir wollten damit die Flatlandwelt verändern. Wir repräsentierten Hardcore Flatland. Aus unserer Freundschaft ist also auch ein Business entstanden. Was wir uns von Anfang an allerdings gesagt haben, ist, dass wir unsere Freundschaft niemals aufs Spiel setzen werden. Auch wenn wir geschäftlich anderer Meinung sind, soll das unsere Freundschaft nicht beeinflussen. Und das haben wir auch bis zum heutigen Tag so durchgezogen.

Ich kann mich noch an den Carhartt Flatlandcontest erinnern, wo ihr mit den Dingern aufgetaucht seid. Damals habe ich die Welt nicht mehr verstanden. Ich habe euer Fahren nicht mehr verstanden. Alles wurde so abstrakt und alles war plötzlich auf einem anderen Level.

Irgendwie hat damals alles zusammengepasst. Wir hatten KGB, wir waren beide Red-Bull-Athleten, wir reisten zusammen zu Shows und zu Contests. Wir fuhren auch beide für Adidas. Durch gegenseitiges Pushen versuchten wir die Flatlandwelt zu verändern. Nach dem ersten Red Bull „Circle of Balance“ wurde Red Bull auf mich aufmerksam. Das war auf jeden Fall auch eine riesige Veränderung in meinem Leben. Der Traum schien komplett aufzugehen. Wir hatten dieselben Sponsoren, KGB wurde groß und wir reisten um die Welt.

Ihr habt auch viele Shows zusammen gemacht. Sogar eine eigene Showtour habt ihr zusammen mit Red Bull ins Leben gerufen: Bike ’n Mic. Was hatte es damit auf sich?

Martti hatte einen Freund in Finnland, der ein sehr talentierter Freestyle-MC war. Mit ihm ist das Konzept entstanden, bei diversen Red-Bull-Events Bike ’n Mic zu präsentieren. Also BMX-Shows kombiniert mit Freestyle Rap. Die Idee dahinter war, für die einzelnen Shows nicht so viel Gage zu nehmen wie sonst, dafür aber einfach so viel Shows wie nur möglich zu fahren, um uns in allen Ländern bekannt zu machen. Insgesamt haben wir in 20 Ländern Bike-’n-Mic-Shows gemacht. Die Nachhaltigkeit ist enorm. Ich fahre heute noch manchmal diese Shows. Letztens erst in Nigeria zusammen mit Camilo Gutierrez. Da haben wir das Konzept allerdings etwas abgeändert, indem wir einen lokalen MC hinzuziehen, der zu den Shows freestylt.

Ich habe Bilder gesehen von den Shows in Nigeria. Ist es dort gefährlich? Ihr hattet dort eure eigenen Privatpolizei oder?

Ja, das stimmt, wir hatten dort unsere eigene Polizei, die mit Maschinengewehren ausgestattet war. Aber das war einfach nur, weil wir ständig mit extrem viel und teurem Equipment unterwegs waren und Red Bull auf Nummer sicher gehen wollte, dass nichts passiert. Die meisten Shows waren in Einkaufszentren oder an öffentlichen Plätzen. Wir haben uns nie bedroht oder ängstlich gefühlt. Ganz im Gegenteil, wir haben Menschen kennengelernt, die nichts haben, aber alles geben. Eine Freundlichkeit und Zwischenmenschlichkeit, die wir hier nicht kennen. Nigeria war ein Erlebnis, das ich nie wieder vergessen werde.

Kommen wir mal zu deinen aktuellen Sponsoren. Du fährst für die Marke Orbea. Eine spanische Marke, die mir bis dato nicht zu bekannt war. Als ich dieses Jahr allerdings auf der Eurobike ihren Stand gesehen habe, wurde mir klar, was das für eine riesige Firma sein muss und dass die schon sehr lange dabei ist.

Die Idee mit Orbea zusammenzuarbeiten hatte ich schon länger. Eine Firma solcher Größe hat viele Möglichkeiten. Mein Ziel ist es, immer so viele Leute von BMX zu begeistern wie nur möglich. So hatte ich ihnen verschiedene Konzepte präsentiert und letztendlich sind wir dann auch zusammengekommen. Ich wollte zusammen mit Orbea ein BMX-Komplettrad entwickeln, welches keiner spezifischen Disziplin angehört. Wenn sich die Kids dieses Rad kaufen, können sie Flatland, Park oder Dirt damit fahren. Ich habe den Rahmen zwar nach meinen Wünschen entwickelt und entworfen, es ist aber ein Allroundrahmen. Inzwischen bin ich weg von dem Gedanken, flatlandspezifische Teile zu fahren oder zu entwickeln. Ich will, dass BMX wieder zusammenwächst, so wie es ganz am Anfang einmal war. Ich finde es total super, wenn Streetfahrer in Luxemburg zu meinem Spot kommen und sehen, was ich mache. Die sehen mein Fahrrad und stellen fest, dass es sich nicht wirklich von ihrem Fahrrad unterscheidet. Sie bekommen eine Vorstellung davon, wie krass Flatland ist und was möglich ist.

Ist der Orbea Rahmen vom Komplettrad eins zu eins der Rahmen, den du jetzt fährst?

Ja der Rahmen ist zu 100% der aus dem Komplettrad. Die Parts sind lediglich andere. Da ich für Ares fahre, sind bei mir die Anbauteile von Ares. Für mich ist Ares die Flatlandmarke überhaupt. Ich bin sehr stolz, eine japanische Marke zu vertreten. Ich habe eine enge Bindung zu Japan und meinen Freunden dort.

Wer dich kennt oder dir folgt, der merkt auch, dass du Flatland immer sehr kunstvoll zeigen möchtest und dich selber immer sehr in Szene setzt. Ist das etwas, was durch deine Freundschaft zum Fotografen Rutger Pauw entstanden ist?

Ja, das hat bestimmt auch etwas damit zu tun. Für mich ist BMX-Flatland zu 100% eine Kunstform. Und da gehört noch mehr dazu als die Tricks. Bei der Kleidung angefangen bis hin zu den Orten, wo man Flatland fährt. Irgendwann haben sich Rutgers und meine Wege gekreuzt. Unsere erste Session war großartig, wir hatten direkt nach einem Tag ein wahnsinniges Output an Bildern. So haben wir uns in regelmäßigen Abständen immer wieder getroffen. Weil Rutger als Fotograf für Red Bull unterwegs war, waren wir immer wieder an denselben Orten und haben immer wieder unglaubliche Bilder geschossen. Aber unabhängig davon haben wir auch schon eigene Projekte gestartet. Ein Fotoprojekt, welches Rutger immer mal vorhatte, namens „In Flight“. Rutgers Freundin nähte hierfür einen Wingsuite für mich. Das war Fallschirmstoff mit langen Schleiern an einem Anzug befestigt, der durch einen riesigen Ventilator in Bewegung gesetzt wurde. Das alles haben wir in einer Halle in Luxemburg gemacht. Gefilmt  wurde das Ganze von keinem anderen als Matty Lambert. Ein berühmter BMX-Filmemacher. Auch hier auf der Photokina gibt es ein gemeinsames Projekt von Rutger und mir. Ich fahre BMX-Shows und er fotografiert mich dabei und erklärt live den Messebesuchern, was er da gerade macht. Die Ergebnisse können die Besucher direkt auf einer Leinwand sehen.

Du Lebst jetzt in Luxemburg. Was hat es damit auf sich? Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe 2009 Alexandra kennengelernt, als ich auf dem Weg nach Dänemark zu einem Red Bull Event war. Uns war klar, dass es Marttis allerletzter Weg für Red Bull sein würde, also Marttis letzte Show und unserer letzte Reise zusammen für Red Bull. Das war schon sehr emotional für uns. Martti musste am Abend nach der Show zurück nach Finnland und ich bin noch eine Nacht geblieben. Ich war irgendwie niedergeschlagen und konnte mich auch nicht wirklich dazu motivieren, auf die Afterparty zu gehen. Irgendwie tat ich es dann doch. Und dann geschah es, eine Sache an die ich bis dahin nicht glauben wollte. Liebe auf den ersten Blick. Ich sah Alexa und uns war beiden klar, dass hier gerade etwas passiert. Man kann sagen, dass wir von dem Moment an zusammen waren. Ich lebte in Spanien und sie in Schweden. Sie besuchte mich in Madrid und ich sie in Stockholm. Nach zwei Wochen Aufenthalt in Stockholm musste ich wieder nach Madrid. Aber warum eigentlich. Diese Frage stellte ich mir dann dort und ich entschied mich dazu, einfach dort zu bleiben. Meine Reisen kann ich auch von da machen, schließlich gibt es ja auch dort einen Flughafen. Seitdem sind wir ein Team und leben zusammen.  Aufgrund des Jura-/Sportstudiums mussten Alexa und ich einige Male umziehen. Letztendlich sind wir in Luxemburg angekommen und haben hier unser Zelt aufgeschlagen und unsere Firma GG Management gegründet.

Alexa ist ja nicht nur deine Freundin, sondern inzwischen auch deine Managerin. Klingt ja erst ein wenig ungewohnt, aber wenn ich mir so deinen Lifestyle betrachte und alles, was du so machst, macht es für mich immer mehr Sinn.

Ich brauche einfach jemanden, der mir meinen Rücken freihält. Auf dem Level zu fahren und auf dem Level zu bleiben, nimmt viel Zeit in Anspruch. Man muss täglich viele Stunden trainieren und trotzdem muss man sich um Sponsoren, Evens, Shows etc. kümmern. Das geht meiner Meinung nach ohne Manager nicht. Ich hatte vorher schon einmal zwei verschiedene Manager, die aber viel Scheiße gebaut haben und im Nachhinein völlig ungeeignet waren für den Job. Alexa kennt mich so gut und ist aufgrund ihres Jura- und Sportstudiums und ihrer Karriere als Turnerin perfekt dafür geeignet. Sie weiß, worauf es ankommt und wie sie mit Kunden umzugehen hat. Ich bin der Meinung, dass es nicht anders geht heutzutage. Will man professionell auftreten, braucht man auch jemanden, der einen vertritt. Einfach damit man als Sportler unangetastet bleibt und den Rücken frei hat. Geht es darum, eine Gage auszuhandeln, setzt sie sich dafür ein und ich bleibe neutral. So muss das sein. Und darin ist sie besonders gut. BMX ist Kunst und Kunst hat ihren Preis. Wenn Leute versuchen, die Gage zu drücken, weiß sie, wo sie ansetzen muss. Da brauche ich mir keine Sorgen zu machen.

Was genau ist GG Management?

Man kann sagen, dass wir eine Vermittlungsagentur sind für BMXer mit dem Hauptfokus auf Flatland. Wir machen Showauftritte, Sponsorenvermittlung und Organisation von Events. Wir versuchen, den Fahrern immer einen fairen Deal zu geben. Da ich als Flatlander dahinter stehe und weiß, wie es im Optimalfall sein muss, können wir den Flatlandern auch einen fairen Deal anbieten. Ist er nicht fair, machen wir es auch nicht.

Lass uns mal wieder ein wenig auf Tricks und BMX zurückkommen. Nach so einer langen Zeit und so unendlich vielen Combos, die du bereits gemacht hast, erinnerst du dich überhaupt noch daran, was du eigentlich alles schon trickmäßig gemacht hast?

Ich muss sagen, dass ich mir manchmal Videos anschaue und feststelle, dass ich es nicht mehr genau weiß. Ich sehe was und bin überrascht, dass ich das mal gemacht habe. Manchmal ist es gut, sich alte Sachen anzuschauen, um neue Konzepte mit alten zu kombinieren.

Du hast den Circle of Balance drei Mal gewonnen. Und das in einem Zeitraum von zehn Jahren. Es ist unglaublich, so lange „on top of the game“ zu sein. Bist du dir bewusst darüber, wie krass das ist?

Ja schon. Als ich das erste Mal den COB gewonnen habe, wurde Red Bull auf mich aufmerksam und ich kam unter Vertrag bei ihnen. Das war der erste Game Changer in meiner Karriere als BMX-Pro. Den letzten COB zu gewinnen war der zweite Game Changer. Um ehrlich zu sein, war es mir beim letzten Mal egal, ob ich gewinne oder nicht. Ich wollte mir allerdings beweisen, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Ich fuhr beim letzten COB bereits brakeless und ich wollte wissen, ob ich es trotzdem schaffen kann. Als es klar war, dass ich unter den ersten vier Fahrern bin, habe ich alles auf eine Karte gesetzt und vielleicht die beste Combo geschafft, die ich bis dato in einem Contest gefahren habe. Von dem Moment an bin ich, was mein Fahren angeht, vor allem kopfmäßig auf einem ganz anderen Level. Ich sehe mein Fahren noch mehr als Kunst und als eine Entwicklung, die man nach vorne bringen muss.

Ich weiß, dass dir diese Einstellung schon immer das Wichtigste am Fahren war. Entwicklung und Individualität. Kann es sein, dass du dadurch auch etwas anders über Leute denkst, die offensichtlich deine Tricks kopieren?

Na ja, was soll ich sagen. Wenn die eigenen Tricks in einem Contest gegen einen verwendet werden, verstehe ich es einfach nicht. Offensichtlich ist, dass man einen großen Skill haben muss, um sie überhaupt zu machen. Aber warum dann diese Skills nicht verwenden, um ’was Eigenes und Einzigartiges zu erschaffen? Ich verstehe es einfach nicht. Deshalb hatte ich mich auch bei der Drei-Minuten-Kombo von Dominik mal zu Wort gemeldet. Ich respektiere, was er macht, aber wo ist die Kunst, was Eigenes zu produzieren? Es ist auch wirklich seltsam, in einem Contest gegen ihn zu fahren. Ich sehe die Tricks, die ich erfunden habe, wie sie gegen mich eingesetzt werden. Klar, er hat es durch sein sicheres Fahren auch irgendwie auf ein anderes Level gebracht, aber ich verstehe trotzdem nicht, wieso er seine Skills nicht anders einsetzt.

Was würdest du jüngeren Fahrern empfehlen, die eine Pro-Karriere einschlagen wollen?

Als ich angefangen habe, da war die einzige Motivation, die ich hatte, alle Tricks und alle Positionen zu erlernen. Ich wollte ein Meister meines BMX’ sein und in der Lage sein, egal ob switch, regular, opposite oder normal, alle Positionen scuffen oder spinnen zu können. Das hat mir wirklich geholfen, sehr abwechslungsreich zu fahren und mich sehr weit gebracht – bis dahin, wo ich heute bin. Was ich heutzutage sehe, ist, dass die jüngeren Fahrer vielleicht drei Positionen haben, in denen sie sich bewegen, und dadurch ziemlich eingeschränkt sind und sich nicht kunstvoll weiterentwickeln können. Lernt die Basics, seid abwechslungsreich, übt Rollen in verschiedenen Positionen, alles macht euch zu einem größeren Meister eures BMX. Wenn du ein Flatlandprofi sein willst, gehört 100% Hingabe dazu. Es geht nicht darum, einen dicken Sponsor an Land zu ziehen, der einen dann groß macht. Es ist genau andersrum. Man muss seinem Sponsor helfen, groß zu werden und das geht nur, wenn man viel dafür tut. Red Bull bringt die Leute nicht auf das Podium. Es ist einzig und allein eure Leistung. Seid ihr gut in einer Sache, kommt vielleicht jemand, der euch unterstützt. Aber der Sponsor gewinnt nicht die Contests für einen. Viele Leute denken ja, dass wenn man einmal bei Red Bull ist, dann ist alles leicht. Die schicken einen um die Welt und versüßen einem das Leben. Klar erhält man eine Unterstützung und manche Dinge werden auch leichter. Aber letztendlich bleibt alles an dir hängen. Dein Auftreten, deine Einstellung, das muss alles stimmen.

Interview: Frank Lukas / Fotos: Tim Korbmacher

 

Ähnliche Artikel

Ausgabe 14

Ausgabe 14

Viki Gomez im großen Flatland Interview Vans "Kill the Line" WOOZYBMX - ...

03

Oct

2014

Peru United - Interview mit Camilo Gutierrez

Peru United - Interview mit Camilo Gutierrez

Online Feature: Das große Interview mit Coverboy und Wahlberliner Camilo ...

06

Jun

2016

Viki Gomez "Something in the way..."

Viki Gomez "Something in the way..."

VIDEO: Checkt das neue Meisterstück von Viki Gomez mit Tricks die man vorher ...

03

Sep

2015