Ausgabe 29

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Ausgabe #29 - Druckfrisch und ab dem 05. April im Handel erhältlich! Hier geht es zur die Heftvorschau.

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VERT IS NOT DEAD - INTERVIEW MIT BENNI KOPP

Benni Kopp. Wo fange ich da an, und vor allem, wo höre ich auf? Eine kurze Einleitung zu diesem Herrn ist wirklich schwierig, weil Benni einer der vielseitigsten und viel geschäftigsten Menschen ist, die ich kenne. Dabei gleichzeitig so hilfsbereit zu sein und sich immer für die richtige Sache einzusetzen, hat Benni nicht nur in meinen Augen jede Menge Ansehen eingebracht. Also einmal Herr Kopp in Kurzform: Bielefelder-BMX-Papa, Vert-Legende, Basarerprobter Wollehändler, DJ, Showagenturbesitzer, Diplom-BWLer, Großeventveranstalter, zwielichtiger Nachtclubbesitzer, Bauleiter und Skateshopmitbesitzer – das fällt mir spontan zu Benni ein. Das stammt allerdings nur aus den Jahren, seit denen ich Benni kenne und versteht sich ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit für die Zeit davor. Kurzum, Benni ist wahrscheinlich der personifizierte Tausendsassa, der die Bielefelder BMX-Szene sowie die deutsche Vert-Szene zusammenhält. Für mich ist Benni über die Jahre vom krassen BMX-Profi, zu dem man als Kid aufgeblickt hat, zu einem wirklich guten Freund geworden – Danke dafür! Jetzt aber viel Spaß mit einem der besten Menschen im BMX- und Vertfahren.

 

Hi Benni, cool, dass wir es endlich mal geschafft haben, die deutsche „Vert-Legende“ für ein Interview zu kriegen. Eigentlich müsste man dich nicht mehr vorstellen, aber ich glaube, dass einige Leute (außerhalb von Bielefeld) gar nicht wissen, wer du bist und was du so alles machst! Stell dich doch noch mal kurz vor.

Also ich komme aus Bielefeld, bin 36 Jahre und fahre jetzt schon gute 2/3 meines Lebens BMX, am liebsten Vert und unseren Rampen-Park. Momentan fahre ich für Etnies, G&S BMX/the local face, DEV und bekomme seit neuestem Sunday Support über Sport Import.

Du bist jetzt über 25 Jahre auf dem BMX unterwegs. Wie hast du damals angefangen, was fasziniert dich am Vertfahren und warum fliegst du heute noch höher als manch anderer Fahrer?

Als ich angefangen habe, BMX zu fahren, sind in Bielefeld eigentlich alle Vert gefahren. Da war es für mich damals natürlich auch ganz normal, direkt damit anzufangen. Wir hatten durch eine große Skateboardszene schon Ende der 80er das Glück, in Bielefeld eine Halfpipe zu haben. Eigentlich war das ja noch die Quarterpipe- Zeit, Contests wurden damals überwiegend auf 2,5 m breiten und knapp 2,5 m hohen Quarterpipes gefahren. Das Schöne am Vertfahren ist der Flow, das Hochpushen und Fliegen, ohne dabei hart zu landen. So hoch zu fliegen wie möglich und dabei auch an die eigenen Grenzen zu stoßen, macht mir immer noch unglaublich viel Spaß.

Was und wann waren deine größten Erfolge in der Königsklasse? Fährst du heute auch noch professionell und aktiv im Contest Circus?

Bei den Worlds war mein bestes Ergebnis 2005 in Prag, da wurde ich Fünfter, bei den Urban Games 2006 in London Dritter, die Deutsche Meisterschaft habe ich auch ein paar Mal gewonnen und beim diesjährigen Bielefeld City Jam bin ich Erster geworden. Eigentlich fahre ich immer noch gerne Contests, allerdings gibt es leider nicht mehr so viele Vert-Events. Dieses Jahr gab es in ganz Europa nur den Bielefeld City Jam und Zach Shaw’s neue UK-Contestserie. 

 

 

Wenn man sich so umschaut, dann scheint Halfpipefahren ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, bzw. fahren die meisten lieber Park oder Street. Ich meine, was gibt es Geileres und ist das wirklich so, oder wie siehst du das persönlich? Wie viele aktive Vert-Fahrer gibt es aktuell in Deutschland und wie ist die Tendenz für die Zukunft?

Zum einen gibt es natürlich nicht so viele Möglichkeiten in Deutschland, überhaupt Vert zu fahren, da Halfpipes in unseren Skateparks eher selten sind. Und dann haben viele Fahrer anscheinend einen unglaublichen Respekt vor einer gut 4 m hohen Halfpipe. Sie zwirbeln zwar die heftigsten Variationen über die Box oder Dirts und springen 3-m-Airs aus kleinen Quarters, aber von oben in so eine Halfpipe zu fahren, muss dann doch nicht sein. Dabei ist es eigentlich genauso wie in eine kleinere Vertquarter zu fahren, reine Kopfsache. So „richtige“ Vertfahrer, die auch mit geschlossenem Motorradhelm fahren, haben wir in Deutschland nicht viele, da ist natürlich Tim Eichert und auch Alex Reinke ist wieder aktiv. Eine Zeitlang sind auch Sprosse und Atze Etzhold viel Vert gefahren. Jetzt kommen auch immer wieder ein paar neue Fahrer dazu und fahren ab und zu in der großen Rampe. Ich hoffe, dass der eine oder andere angefixt wird und dabei bleibt. Manual Mike, Christian Masur oder David Reinke fahren auch öfter mal in der Halfpipe, wenn sie zu Besuch kommen und auch Ralle sollte ruhig öfter mal in die große Rampe.

Wie schaut es bei dir mit dem Sponsoring aus und wie siehst du als „alter Hase“ dieses Kriterium im heutigen Zeitalter?

Viele meiner Sponsoren habe ich schon sehr lange, für etnies und G&S BMX, die jetzt ja auch „the local face“ machen, fahre ich jetzt seit gut 15 Jahren. Ich war auch in der Besetzung des ersten Carhartt-Teams, das war Ende der 90er. Nachdem Carhartt sich aus dem BMX-Sponsoring zurückgezogen hat, bin ich dann letztes Jahr für Zoo York gefahren, leider sind die dieses Jahr pleite gegangen. Auch Eastern Bikes, für die ich sehr lange gefahren bin, gibt es seit diesem Jahr nicht mehr. Das ist nach einer so langen Zeit natürlich besonders schade. Jetzt bekomme ich von Sport Import Unterstützung mit Sunday und freue mich natürlich immer noch riesig über den Support meiner Sponsoren.

2012 wurdest du mit dem „Bielefeld Preis“ ausgezeichnet. Erzähl uns doch mal, was es damit auf sich hatte und warum du diesen Preis entgegennehmen durftest?

Der Bielefeld Preis ist eine relativ neue Auszeichnung der Stadt Bielefeld für ehrenamtliches Engagement in verschiedenen Bereichen. 2012 war das Thema „Sport, Bewegung und Gesundheit“. Wir gehören mit unserer Bike- und Skate-Abteilung dem TSVE 1890 Bielefeld e.V., einem sehr großen lokalem Sportverein, an. Ich wurde vom Verein für die jahrelange Leitung und Betreuung des alten Kesselbrink-Skateparks und für die Vorbereitung des zu der Zeit anstehenden Umbaus des heutigen Skatepark vorgeschlagen. Die Stadt steht schon voll hinter unserer lokalen Szene und die Jury hat es wohl auch überzeugt. Für das Engagement im Action-Sports-Bereich einen solchen Preis entgegennehmen zu dürfen, hat mich natürlich sehr gefreut.

Mit dem neuen Kesselbrink-Park hast du dir selber wahrscheinlich auch einen kleinen Traum erfüllen können, oder? Gerade wenn man sich die männliche Halfpipe anschaut. Wie wird diese angenommen und gibt es bereits ein paar neue und junge Nachwuchstalente, die sich hier entwickelt haben?

Wir haben jetzt einen abwechslungsreichen Holz-Rampenpark, zwei Streetplaza-Areas aus Beton und eine 12 m breite und 4,3 m hohe Metall-Halfpipe von G-Ramps – das Ganze mitten in der Stadt. Eine solche Rampe täglich fahren zu können, ist natürlich der Hammer.  Die Rampe ist die schmalere Variante der X-Games- und Dew-Tour-Halfpipes und entspricht damit exakt dem aktuellen Contest-Standard. Wir hatten in Bielefeld schon immer eine sehr aktive Vert-Szene, vor allem auch im Skaten. Von daher muss man hier nie alleine fahren und auch bei unserem BMX-Nachwuchs gibt es ein wachsendes Interesse am Halfpipefahren. Selbst der extrem junge Lennox Zimmermann fährt unsere Rampe mit 7 Jahren und auf einem 16" BMX ganz lässig von oben rein.

 

 

Seit 2003 organisierst du jährlich den Bielefeld City Jam. Der Erfolg spricht für sich. Was macht den City Jam so besonders und wird es auch 2015 eine Fortsetzung geben?

Der Bielefeld City Jam hat sich über die Jahre, sozusagen zusammen mit dem damaligen Skatepark, immer weiter entwickelt. Vor dem Jam haben wir den Park überarbeitet und neue Rampen gebaut. Dann kam eine Halfpipe dazu und 2013 der komplett neue Park. Es war uns von Anfang an wichtig, eine lockere Atmosphäre zu schaffen, also eher Jam als Contest. Wir planten möglichst fahrerfreundlich, mit günstigen Preisen und legten großem Wert auf die obligatorische Party und den Sound bei der Veranstaltung, was sowohl das Soundsystem als auch die DJs und Moderation beinhaltet. Außerdem ist der City Jam für Zuschauer kostenlos und jeder kann seine Getränke mitbringen. Durch all dies und die besondere Lage im Herzen der Stadt hat sich der Bielefeld City Jam in den letzten Jahren schon zu einem kleinem „umsonst und draußen“-Festival entwickelt. Mit dem neuen Park haben wir nun die Möglichkeit, neben Vert und Park auch noch Street zu integrieren. Kommendes Jahr geht es natürlich in die nächste Runde. Besonders freut mich dabei, dass beim City Jam auch immer viele der Parkfahrer den Vertcontest mitfahren.

Du hast auch eine mobile Show-Miniramp. Wie sieht es damit aus und welche Fahrer hast du dafür am Start?

Ich habe eine mobile Show-Miniramp und Jumpbox, die für verschiedenste Events gebucht wird. Vom Stadtfest, über Firmenfeiern bis zu Fernsehshows. Das Highlight war wohl Stefan Raabs „Bobby Car“-Drop-in bei TV Total. Ein festes Showteam gibt es eigentlich nicht, es hängt auch immer davon ab, wo die Shows stattfinden. Öfter fahren Tobi Wicke, Markus Braumann und Torben Kolwes, aber auch Kevin Liehn, Mark König, Jens Kellermann und noch viele weitere Fahrer.

Durch unsere redaktionellen „Insidertrommeln“ haben wir erfahren, dass du ein treuer Leser der Bravo Sport bist und sogar schon mal ein „Action-Poster“ von dir – beim Vertfahren – drinnen hattest! Wir reden hier ja von einem der größten Teenie Magazine überhaupt, deshalb kann man da schon stolz drauf sein. Wie lange ist das jetzt her und wie ist es dazu gekommen?

Das Foto dazu ist bei den Masters in Köln entstanden. Ich habe dann nur durch Zufall vom kleinen Neffen eines BMX-Kumpels aus Bielefeld gehört, dass wohl ein Foto von mir in der Bravo Sport ist. Dann bin ich natürlich direkt zum Kiosk und hatte sogar das Action-Poster in der Mitte. Das hat mich natürlich schon gefreut, ist aber auch schon wieder eine ganze Weile her.

Und das Panini Album?

Dieses Jahr ist Bielefeld 800 Jahre alt geworden, zu diesem Anlass wurde ein originales Panini „800 Jahre Bielefeld“-Sammelalbum herausgegeben. Torben Kolwes und ich haben jeweils ein Sammelbild bekommen, die ja bekanntlich jetzt getauscht werden können.

 

 

Was machst du eigentlich neben dem BMX-Business? Wir haben natürlich von deinen Aktivitäten im Woll- und Nachtleben erfahren. Erzähl mal?

Ich mache eigentlich recht viele verschiedene Sachen, neben den BMX- und Skate-Events kommt auch immer mehr Beratungstätigkeit dazu. Beispielsweise wurde ich von der Stadt Bielefeld mit der Projektleitung zum Umbau des neuen Kesselbrinks beauftragt und auch das NRW Bauministerium hat jetzt wegen solcher Projekte angefragt. Dann lege ich viel als DJ auf und habe momentan zwei feste Partyreihen in der Bielefelder Disco „Stereo“. Neben all dem habe ich mit meinem Bruder vor einigen Jahren eine Marke für hochwertige peruanische Wolle und Strickdesign gegründet. Es wird also nicht so schnell langweilig in meinem Leben.

Was kannst du den Fahrern an Tipps mitgeben, die unbedingt Vertfahren wollen, sich aber von der Höhe und Größe abschrecken lassen. Bietest du vielleicht sogar Workshops an? Dann mal her mit den nötigen Tipps und Informationen.

Man darf sich auf keinen Fall von der Höhe der Rampe abschrecken lassen. Zwar sind die modernen Vert-Rampen mit gut vier Metern Höhe schon sehr hoch, aber die Länge der eigentlichen Vertikale hat sich kaum verändert. Durch die stark vergrößerte Transition lässt es sich viel ruhiger pushen und fährt sich daher weniger hektisch. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass man eigentlich immer noch in der Rundung landet, auch wenn man einmal etwas zu viel zieht. Die Höhe der Airs entwickelt sich dann mit der Zeit automatisch. In jedem Fall ist ein Motorradhelm zu empfehlen, denn wenn mal etwas nicht klappt, fällt man halt doch ein paar Meter tiefer. Vert-Workshops habe ich bisher noch nicht gegeben, aber bei Interesse ist das natürlich eine sehr gute Idee für die Zukunft.

Hier hast du noch mal Platz für Schlussworte.

Ich danke euch für das Interview und natürlich auch meinen Sponsoren, die mich immer hervorragend unterstützen. Einen riesigen Dank an all meine Freunde, mit denen ich jetzt so viele Jahre gemeinsam auf dem Sattel sitzen und um die Welt reisen konnte. Und ein ganz besonderer Dank geht an meinen Dad, der mich in Sachen BMX immer zu 100 % unterstützt hat.

Hey Benni, vielen Dank für dieses Interview. Es ist einfach nur geil, das Vert immer noch lebt und du einer von denen bist, die es in Deutschland aufrecht halten. Bitte weiter so und bis bald! 

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