Ausgabe 29

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Ausgabe #29 - Druckfrisch und ab dem 05. April im Handel erhältlich! Hier geht es zur die Heftvorschau.

Features

FOX TRIP GERMANY - "ODYSSEE BERLIN" - AUSGABE #12

Ende April 2014 war das EU-Team von Fox in Deutschland zu Besuch. Die Mannschaft, bestehend aus Greg Illingworth, Matt Priest, Lima Eltham und Filmer Mike King waren unterwegs, um gemeinsam an ihrem neuen Team-Clip zuarbeiten. Zur selben Zeit fand „ The Street Series“ und die „Make it Happen“-Videopremiere in Berlin statt, so dass die Jungs kurzerhand beschlossen, ihren Trip direkt nach Berlin zu verlegen, um gleich alles miteinander zu kombinieren. Gesagt, getan und schon waren sie da! Nun standen also vier Trip und Spothungrige Typen mitten in unserer geliebten Hauptstadt und wollten etwas erleben. Uns war sofort klar, dass es hierfür keinen besseren geben würde als Markus Braumann himself. Markus kennt Berlin wie seine eigene Westentasche, fährt selber jeden Mist mit seinem Rad und ist dabei noch ein begnadeter Fotograf. Warum Monkey also genau der richtige für diesen Trip war und wie s ich diese Odyssee mit den Worten von Greg Illingwoth anhört, erfahrt ihr hier und jetzt. Viel Spaß in Berlin...

 

 

Ich putzte meine Zähne in einem seltsamen Badezimmer, alles um mich herum hatte seinen Sinn, Zweck und Platz. So kannte ich das gar nicht von mir zu Hause. Egal, dachte ich. Ich hatte einen langen Tag hinter mir mit schweren Taschen auf dem Rücken, war mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren ohne Plan, wie ich sie benutzen sollte, traf Leute, die ich kaum kannte, war auf dem Weg zu Orten, an denen ich bis dato noch nie gewesen bin. Ich brauchte eine Pause. Ich trocknete meine Hände und ging in das Zimmer, das ich für heute Abend meins nennen durfte. Ich behielt meine Tradition bei, machte ein Foto von meinem Bett und schickte es meinem Kumpel mit dem Wort: Geschafft! Etwas früher an diesem Tag war mir nämlich noch nicht klar gewesen, wo und wie ich diese Nacht verbringen würde. Ich bekam eine unerwartete Einladung von Markus Braumann. Markus kannte ich noch nicht. Ich wusste nicht, wo, wie oder mit wem er wohnte, aber ich war sehr dankbar für dieses Angebot. Es war außerdem auch meine letzte Chance, nicht auf der Straße zu pennen. Mein Tag hatte mich also durch ganz Berlin geführt und ich dachte, irgendwie wird sich schon etwas ergeben. Aber dieses Mal war alles anders. Also hatte ich mich dann um 23.00 Uhr auf den Weg von Neukölln zum Prenzlauer Berg gemacht, wo ich auf Markus wartete und er mich kurze Zeit später auch schon einsammelte.

 

 

Markus kam gerade vom Grillen. Er und seine Freundin haben mir ein komfortables sauberes Bett in ihrem Wohnzimmer hergerichtet. Jetzt wurde mir wieder klar, warum ich Deutschland so liebte. Ich wurde an ein Gefühl erinnert, das ich zuvor vor ungefähr sechs Jahren hatte, als ich das erste Mal in Deutschland bzw. Berlin gewesen bin.  Obwohl die Hauptstadt manchmal etwas schmuddelig rüberkommt, ist sie doch so gründlich. Schwierig zu erklären dieses Gefühl, aber ich liebe es und fühlte mich sofort wohl bei Markus. Ich verspürte die Lust, „The Wall“ von Pink Floyd zu hören. Schon etwas kitschig, aber ich machte das Lied an und ging auch schon zu Bett. Jede Unsicherheit war nun verflogen und ich wusste, das wird ein guter Trip! Am nächsten morgen sind Markus und ich früh aufgestanden, um etwas durch die Stadt zu fahren. Das ist für mich das Beste am Reisen. Durch die Straßen zu cruisen und alle Eindrücke aufzusaugen, die einem dabei begegnen. Alles so zu nehmen, wie es ist, und die kleinen aber feinen Unterschiede aufzusammeln, die man nur erfährt, wenn man mit einem Local unterwegs ist.

 

 

Wir stoppten an einem massiven Kinked Rail. Ich dachte mir nur, der macht wohl einen Witz. Niemand im Fox-Team wird dieses Monster bezwingen. Das Fox-Team ist schließlich nicht gerade bekannt für seine Skills am Rail. In einem Nebensatz meinte dann Markus: „Ach das hier, das hat der Tobi vor ein paar Jahren schon mal gemacht.“ Ich konnte es beim Weiterfahren kaum glauben und drehte mich noch mal um! Fuck, wie gut eigentlich der Herr Wicke Fahrrad fährt. Priesty (Matt Prist), Lima und Mike (Filmer von Fastforward BMX) kamen dann auch am Abend, mit der üblichen euphorischen Roadtrip-Laune in Berlin an. Wir quatschen ein bisschen Blödsinn bei einer Currywurst und ein paar Bier. Der Typ aus der Pommesbude hat unsere gute Laune mitbekommen und fragte, ob wir Bock auf Musik hätten. „Klar, solange es nicht zu laut ist“, meinte Lima und schaute währenddessen über den bereits leergefegten und stillen Alexanderplatz nachts um eins. Ein paar Sekunden später kam Snoop Dogg aus den Lautsprechern gehämmert und der Pommesbudenbesitzer kam mit funkelnden Augen auf uns zu. Dabei bewegte er eher unansehnlich seine Hüfte und kassierte von uns ein paar Müde blicke [lacht]. Aber wir amüsierten uns mit ihm – und auch über ihn – und hatten viel Spaß.

 

 

Der nächste Morgen war mindestens genauso komisch. Ich ging im Halbschlaf in das Gemeinschaftsbadezimmer unseres Hostels und wollte die Reste einer eher unbefriedigenden Mahlzeit Freigang gewähren. Was ich antraf, waren zwei mexikanische Mädels, die sich gerade Schminke auflegten und sehr gute Laune hatten. Zu gut, um diese durch das Entfesseln der Hölle auf Erden in meiner Klokabine zu ruinieren. Die Currywurst von letzter Nacht hat sie nicht sonderlich beeindruckt.  Trotzdem wurde ihre Unterhaltung weniger und leiser, bevor ich das Klo dann endlich verlassen hatte. Der nächste Tag konnte beginnen. Mike meinte, dass er irgendwann ein „game of bike” auf einer Minirampe filmen wollte. Aber das stand nicht besonders weit oben auf der Prioritätenliste. Erstmal wollten wir den ganzen interssanten Kram abklappern, den wir nicht kannten und auch nicht immer fahren können. Markus war dafür der richtige Mann und Guide für uns. Nachdem wir den ersten Spot abgefilmt hatten, fuhr plötzlich ein Local kopfnickend an uns vorbei. Nach einigen Minuten kam er zurück und begrüßte uns mit einem Händeschütteln. Als wir unsere Sachen zusammengepackt hatten, um weiterziehen zu können, meldete sich völlig unerwartet unser neuer „Kumpel“ mit dem bestimmensten deutschen Akzent und folgendem Satz: „Jetzt fahren wir zur Minirampe!“.  Es klingt mir heute noch in den Ohren.

 

 

Ohne zu wissen, was das jetzt bedeuten sollte, folgten wir dem Kerl. Ich drehte mich um und hatte Blickkontakt mit Markus, der mir auch gleich zu verstehen gab, dass wir einen anderen Spot ansteuern werden. Das taten wir dann auch, folgten Markus über die Straße bis hin zu einem Spielplatz mit einem spaßigen Bank/Hip Set-up. Mr. Minirampe (so nenn ich den fremden Local jetzt einfach mal) war selber total überrascht und erfreut über diesen neuen Spot. Er räusperte nur: „Den Spot kannte ich noch gar nicht.“ Eine Tatsache, die mich definitiv zum Nachdenken brachte. Wie kann das sein? Wie viele verborgene Schätze es wohl noch in den Städten Europas und vor allem in Berlin gibt, die noch nie durch die Augen eines Streetfahrers gesehen wurden. Der Kerl fuhr wahrscheinlich Jahre lang an den geilsten Spots vorbei, ohne sie zu entdecken. Natürlich auf dem Weg zu seiner geliebten Minirampe [lacht]. Für den Rest des Trips war unser Standardspruch: Und jetzt fahren wir zur Minirampe! In feinster Schwarzenegger’schen Redensart! Besonders am nächsten Tag, wo wir nicht genau wussten, wohin wir fahren sollten, da uns das Aprilwetter immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen wollte. „Also wohin geht es heute?“ – „Jetzt fahren wir zur Minirampe!“

 

 

Die Sonne schien und dann regnete es wieder. Ganz normal an diesem Tag. Dann war es trocken aber windig. Nicht wirklich geil zum Filmen oder um die Motivation in die Höhe zu treiben. Markus meinte dann, dass es heute wohl das Beste wäre, etwas außerhalb von Berlin zu machen. Auf dem Weg zum Zug zeigte uns Markus einen Spot, den bis jetzt noch keiner bezwungen hatte, der aber sehr cool aussehen würde. Ich verstand nur: Tür und Bank. Irgendetwas stimmt doch da nicht, dachte ich mir. Da es eh aber auf unserem Weg lag, konnten wir es ja mal abchecken. Markus hatte Recht, es sah wirklich sehr gut aus! Ich habe ein paar Mal Anlauf genommen und bin die Bank hochgefahren. Als ich auf der Höhe der Tür war, habe ich mich dazu entschieden, einen kleinen Sprung zu wagen. Kein Problem, das schaffe ich beim ersten Mal und fertig ist! Kurzer Check mit Markus und Mike, beide ready. Ich ging noch mal kurz alles in meinem Kopf durch: Bisschen schneller noch, direkt auf die Bank und dann Hop to the Top! Kurz bei der Landung noch die Blitze ignorieren und dann gemütlich ausrollen. Locker, first try, kein Problem, denk ich mir. Ich gab also Vollgas und machte einen kleinen Hop auf die Bank. Als meine Reifen dann aber die Wand berührten, rutschte ich weg und crashte full speed in diese blöde Tür rein. Der Sturz und der Fall kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Fuck, was um alles in der Welt ist nur passiert, dachte ich mir. Warum war ich jetzt abgerutscht und zuvor nicht, als ich zum Testen die Bank hochgefahren war.

 

 

Ich habe mir schon wehgetan bei diesem Sturz, aber das Adrenalin übernahm dabei seine Aufgabe und so merkte ich nicht besonders viel davon. Ich wollte es unbedingt und musste versuchen, etwas gerader auf die Bank zu fahren, um meinen Reifen nicht die Chance zu geben, ein weiteres Mal wegzurutschen. Komplett fokussiert und ohne jeden Zweifel, dass es dieses Mal klappen würde, fragte ich nochmals in die Runde: „READY?“ – „READY!“ Ich fuhr also wieder los und dachte: Einfach gerade hoch und Reifen nicht wegrutschen lassen! Ich fuhr gerade auf die Bank drauf und meine Reifen hatten soliden Halt. Als ich jedoch wieder versuchte, über die Tür zu Springen, rutschten kurz vor dem Absprung wieder die Reifen weg und ich knallte ein weiteres Mal gegen diesen kack Türrahmen.  Ein paar Passanten schauten mich an und dachten wahrscheinlich nur, ja was erwartest du auch, wenn du so einen Quatsch versuchst. Ich habe es einfach nicht geschafft. Für mich sah es total möglich aus. Vielleicht war es das einfach nicht oder ich war schlicht und einfach zu schlecht dafür. Irgendwann werde ich dorthin zurückgehen und mit ein paar Litern Cola die Bank etwas griffi ger machen. Aber das hebe ich mir für ein anderes Mal auf.

 

 

Wir mussten dann auch los, um die eigentliche Mission fortzuführen. Der Regen kam schon wieder angezogen und die Wolken waren ziemlich schnell unterwegs. Nächster Stopp war also Potsdam. Eine Stunde Bahn fahren und das Wetter sah schon viel besser aus, ebenso wie der unmenschlich geile Spot, den uns Markus dort zeigte! Ich werde bei solchen Orten immer ganz nervös. Was ist, wenn wir gekickt werden, zu viele Leute da sind oder auf einmal der Regen kommt? Die Würfel waren aber gefallen und – Bingo! wir konnten dort fahren, wie es uns gefiel, und es war einfach der Hammer. Alle Erwartungen wurden erfüllt!  Der Spot war der Wahnsinn. Nicht ganz einfach zu fahren, aber dennoch sehr, sehr gut. Als wir uns erstmal an alles gewöhnt hatten, fuhren wir eine Session, die wir so schnell nicht mehr vergessen werden. Leute blieben stehen und haben uns zugeschaut. Wir sind gefahren, bis es dunkel wurde. Nach so einem Tag haben wir uns einen Tag zum Relaxen verdient. Das Taten wir dann auch und so konnten wir uns ganz entspannt „The Street Series“ in Berlin anschauen.

 

 

Um den ganzen Trip mit einem passenden Highlight abzurunden, hatten wir die „Make It Happen“-Videopremiere noch vor uns. Das erste Mal in dieser Woche tranken wir dann auch endlich mal etwas und haben Vollgas Party gemacht.  Das Bier lief wirklich gut und wir kamen ziemlich betrunken irgendwann im Hostel an, wo wir uns noch das ein oder andere Mal in der Türe geirrt und ein paar andere Touristen verärgert haben. Wir hatten wirklich eine sehr gute Zeit und sind froh, auch diesen Roadtrip ohne Verletzungen hinter uns gebracht zu haben. Vielen, vielen Dank für alles, Markus, vielen Dank Berlin und auch vielen Dank bmx Rider Mag... es war eine Wahnsinnszeit und bis bald! Achso, wir sind übrigens nie bei dieser besagten Minirampe gewesen!

 

 

Fotos: Markus Braumann

 

 

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