Ausgabe 29

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Ausgabe #29 - Druckfrisch und ab dem 05. April im Handel erhältlich! Hier geht es zur die Heftvorschau.

Features

THE STATION SNOWPARK 2.0

Im vergangenen Jahr waren wir bei der Firma Velosolutions zu besuch und haben uns dort mit Gregor Podlesny getroffen. Gregor und ich standen seit dem ersten Kontakt mit der Firma sehr eng in Kontakt und da er selber ein begnadeter BMXer mit Herz und Seele ist, kamen immer mehr Ideen an den Start, die wir unbedingt gemeinsam umsetzen wollten. Der Grund dafür ist auch ziemlich einfach, er liegt sozusagen auf der Hand, wenn man weiß, was um diese Firma herum noch so alles passiert. Velosolutions bzw. deren deutsche Niederlassung ist in einem Kollektiv mit vier weiteren Firmen angesiedelt, die sich gegenseitig mit Kreativität, Erfahrung und Know-how unterstützen. Eine davon ist die Firma Schneestern, die für so ziemlich alle geilen Snowparks in Europa verantwortlich sind. So manch einer hat sich sicher schon mal gedacht: Fuck ey, die fetten und perfekten Obstacles könnte man doch locker auch mit dem Rad fahren, wenn sie nicht im eiskalten Schnee stehen würden. Genau das haben wir uns auch gedacht und als Gregor mit den ersten Fotos vom Werksgelände und den dort stehenden Snowparkobstacles um die Ecke kam, war die Sache auch schon geritzt. Unter anderem lag dort der berühmte und vielen bekannte Red-Bull-„The Station“-Snowpark aus Nesselwang auf dem Trockenen und wartete darauf, seine ersten Rad und Pegspuren zu kassieren. Was für ein Traum! Die Ansage, alles machen zu können und sogar einen Staplerfahrer zu haben, rundete das ganze Projekt noch mal ab. Dafür luden wir die beiden Streetatzen Miguel Smajlji und Robin Kachfi, sowie Moritz Steinröder ein und starteten diese einmalige Party. In diesem Sinne: „Don’t eat yellow Snow“ und viel Spaß...

Nach gefühlt Monaten der Terminfindung haben wir es endlich geschafft, alles unter einen Hut bekommen. Ich war zuvor in Österreich unterwegs, so bot sich der Rückweg für unser Projekt auf dem Gelände von Velosolutions und Schneestern geradezu an. Manchmal ist das Wetter aber ein richtiges Arschloch: Am Tag meiner Anreise kündigte es seinen Schönwettervertrag mit uns. Wir waren schon drauf und dran, alles zum dritten Mal zu verschieben. Fuck ey, dachte ich mir, jetzt wäre es doch so perfekt gewesen. Na ja, das ist halt part of the game… Aber gerade, als ich unseren eingeladenen Fahrern absagen wollte, rief mich Gregor erneut an und meinte, dass wir morgen evtl. doch etwas Glück auf trockene Momente hätten und dass wir die Sache einfach durchziehen sollten. Yes, so gefiel mir das! Ich fütterte also mein Navi erneut mit den Daten des kleinen Örtchens Durach bei Kempten und stand nur eine Stunde später bei Velosolutions auf der Matte. Die Fotos für unser Firmenprofil waren eh wetterunabhängig und zudem habe ich so mal das komplette Team kennenlernen können. Am Abend kam sogar noch die Sonne raus, sodass wir zusammen mit Gregors Mitbewohner und Arbeitskollege „Gülle“, seinerseits begnadeter Skater, in den Local Park von Kempten fuhren, um eine kleine Abendsession zu fahren.

Am nächsten Tag war erst mal ein wenig Homeoffice angesagt, denn nach ein paar Tagen ohne Internet war es dringend an der Zeit, den redaktionellen Mailkram aufzuholen. Um 15 Uhr mussten wir dann schon Miguel und Robin am Bahnhof einsammeln. Mit dem Firmenbus luden wir die Jungs ein und fuhren erst mal etwas essen, bevor es ans Eingemachte ging. Während des Essens wurde ständig das Regenradar überwacht, aber trotz des dunklen Himmels schien es in Durach tatsächlich trocken zu bleiben. Am Gelände angekommen checkten wir erst mal, was wir überhaupt umsetzten könnten. Dort steht nämlich so viel Material, dass man sicher eine Woche gebraucht hätte, wenn man alles fahren wollte. Das Zeitfenster war aber leider stark begrenzt und der Regen sollte später auch noch hinzukommen. So entschieden wir uns nur für den geilsten Kram und fingen langsam an, den Staplerfahrer zu aktivieren, der uns den Stuff ausgrub und so platzierte, wie die Jungs ihn benötigten. Das prominente NYPD Police Car musste als erstes dran glauben und Miguel wie auch Robin hatten mächtig Spaß an dem Teil. Anfangs stand noch eine kleine Bank vor der Karre, aber mit dem nötigen Popp ging es später auch ohne. Alle möglichen Tricks wurden gemacht,  neben Barspin-Kombinationen gingen auch Whips und Manuals klar. Sicher hätte man noch einiges mehr an dem Auto anstellen können, aber nachdem die Shots im Kasten waren, mussten wir uns schon mit der nächsten Baustelle beschäftigen.

Nun fing der Spaß nun richtig an. Es war die große von zwei Rainbow-Brücken, die, wenn das Ding im Schnee verbuddelt ist, um einiges weniger massiv aussieht als jetzt. Hinzu kamen noch die beachtliche Länge von knapp 10 Metern und die Tatsache, dass das Rohr einen Durchmesser von 20 Zentimetern hatte, was den Gedanken darüber zu grinden auch etwas schwerer machte. Die komplette Dimension dieses Monsters erkannten wir allerdings erst, als der Stapler das Teil auf dem Hof platziert hatte. Alleine die Höhe des Rails bereitete uns schon Sorge, geschweige denn der Speed, den man brauchte, um über den Regenbogen zu kommen. Zum Glück standen überall irgendwelche Banks – in allen Breiten und höhen – rum. So hatten wir schnell das passende Katapult gefunden und stellten es vor das Rail. Miguel war der erste, der anfing, sich mit dem Ding anzufreunden. Zwei bis drei Speedchecks später setzte er seine Plastikpegs auf dem Rohr ab. Dann kam die absolute Ernüchterung: Die Stange rutschte mal überhaupt nicht, sodass nach wenigen Zentimetern der Absprung eingeleitet werden musste. Was nun? Auch hier lag die Antwort wieder einmal auf der Hand: Snowboarder haben ja von Natur aus Wax unter den Brettern! Also ging es in den nächsten Supermarkt, wo wir die nötige Schmiere besorgten. Nach einer weiteren Stunde war das komplette Gestänge eingeschmiert und Miguel und nun auch Robin gaben ihr Bestes, um überhaupt bis zur Mitte zu kommen. Moritz, der eher auf Rampen und Airtime ausgelegt ist, schaute sich das ganze Spielchen erst mal nur an und war – nach eigener Aussage – nicht so der Freund des Grindens. Außerdem seien seine zwei Stahlpegs mehr für Ice- und Toothpick-Stalls am Coping gedacht. Wie dem auch sei, irgendwann schloss er sich den beiden Jungs doch an und rutschte schon beim ersten Try einige Meter weiter als Robin und Miguel. Bei den beiden war einfach der Wurm drin. Als sich dann aber abzeichnete, dass Moritz das Ding machen würde, legten sie ihre Räder beiseite und feuerten ihn an. Moritz wurde immer schneller und ehrgeiziger – er wollte dieses Ding unbedingt machen –, aber zum Ende ging er immer wieder knapp vorher runter. Nach gefühlten 100 Versuchen und total außer Puste gab er sich noch drei letzte Trys. Wie sollte es anders sein: Der vorletzte war es dann. Bereits in der Mitte konnte man erkennen, dass er das Ding schließlich machen würde. Bäm! Wir haben ihn dafür mega gefeiert.

Die Session hat so lange gedauert, bis es dunkel wurde und leider Gottes die Glocke über Durach verschwand und der Regen einsetzte. Jetzt wurde es hektisch, denn das Cab stand noch auf dem Programm. Mit einigen Lappen rubbelten wir die Seite des Taxis trocken, da Robin einen Wallride an den Plexiglas-Fenstern machen wollte. Der Regen ließ dieses Unterfangen aber recht anstrengend werden, denn nach jedem Try mussten die anderen wieder zum Wagen laufen und die Fenster trockenwischen, damit Robin nicht jedes Mal abrutschte. Der dadurch entstehende Druck konnte Robin aber nicht abhalten, sich immer höher an die Karre zu poppen und nach 15 Minuten konnten wir auch hier einen Haken auf der Liste machen.

Der Regen hatte das Allgäu jetzt fest in seiner Hand, sodass an Außenaktionen leider nicht mehr zu denken war. Schade war das natürlich schon, aber Gregor hatte eine perfekte Lösung parat. Auf dem Gelände gab es natürlich eine große Werkshalle und dort gibt es noch ein paar weitere Optionen für nicht alltägliche Spots. So zum Beispiel die Möglichkeit, aus der zweiten Etage in die Landung einer mobilen Jumpbox zu springen. Während wir also auf den Pizzaboten warteten, aktivierte Gregor ein letztes Mal den Staplerfahrer, der die nasse Landung der Box in die Halle verfrachtete. Gestärkt und völlig entspannt konnte die Indoor-Session starten. Nachdem alles trockengelegt war, vergnügten sich Miguel und Moritz mit dem Drop aus dem Lagerraum und Robin mit einer fünf Meter langen Anfahrt an einem fast unmöglichen Flair Transfer von einer wackeligen Quarter in die Landung der Box. Nach einer intensiven Runde mit Barspins und Ninja Drops war dann gegen 23 Uhr schließlich Schicht im Schacht.

Total ausgepowert und trotz des wetterbedingten Stresses waren wir alle total glücklich von dem Tag und dem Ergebnis. Wir räumten noch kurz auf, tranken zwei oder drei Bierchen und fuhren dann zu Gregor nach Hause, um endlich im Schlafsack zu versinken. Denn am nächsten Morgen ging es wieder heim bzw. zur Arbeit. Vielen Dank an alle, die dieses Projekt möglich gemacht haben und vor allem an Gregor für die Unterkunft und Organisation. High Five, Dudes

 

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