Ausgabe 29

Ausgabe 29

Ausgabe #29 - Druckfrisch und ab dem 05. April im Handel erhältlich! Hier geht es zur die Heftvorschau.

Features

PAULS RIVERBED TRAILS

#rbrbtslovenia

Nach langer Vorbereitung war es endlich soweit. Die ersten Planungen für dieses Projekt begannen vor mehr als einem Jahr und nun standen wir an einem Samstagmorgens um 5 Uhr am Flughafen Köln/Bonn. Paul und ich machten uns auf den Weg nach Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens. Was wünscht man sich mehr, als an einem Samstagmorgen so früh wach zu sein? Aber natürlich kann man diesen Schmerz verkraften, wenn man weiß, dass am anderen Ende der Reise ein paar ganz besondere Trails auf einen warten. Genau dieses Glück wurde Paul zuteil und mir natürlich auch. Ich selber war erst wenige Wochen zuvor aus Australien zurückgekommen und war echt froh, als er mich fragte, ob ich ihn begleiten wolle. Wenn man ein halbes Jahr „Urlaub“ gemacht hat, ist man recht dankbar für jede Möglichkeit, dem Alltag wieder zu entfliehen. Außerdem ist es für Paul immer gut, wenn jemand dabei ist, der ihm hilft, sein Rad zusammenzuschrauben. Denn er weiß bis heute manchmal nicht, in welche Richtung man eine Schraube festdreht. [lacht]

Bei diesem Projekt, das Paul zusammen mit Red Bull realisierte, handelte es sich – wie gesagt – nicht um normale Trails. Eigens dafür wurde ein Wildwasserkanal trockengelegt, unter dessen Wasseroberfläche sich ein Paradies für Transitionfahrer verbirgt. Ich sag es euch, das war ein geiler Scheiß! Der Wildwasserkanal in Ljubljana wurde 1991 angelegt, ist somit um einiges älter als Paul und der zweite seiner Art in Europa. Insgesamt ist er ungefähr 170 Meter lang und etwa 20 bis 30 Meter breit. Der befahrbare Teil war allerdings nur etwa 60 Meter lang. Um die nötigen Strömungen und Strudel zu erzeugen, sind auf der Fläche in verschiedenen Größen und Formen ziemlich viele Hubbel aus Beton angelegt. Da diese meist abgerundet waren, kann man sie wie eine Quarterpipe fahren. So hat man eine ganze Reihe natürlicher Quarterpipes, Hips und Subboxen im Kanal. Der Grundgedanke ist eigentlich wie immer, BMX an neue Orte zu bringen und von den üblichen Spots abzuweichen. Hier werden Elemente aus Trails und Skateparks miteinander verbunden, außerdem wurde zusätzlich noch eine Wing (ein Step-up mit darauffolgendem Step-down), ein Rollin mit Speedsprung sowie eine anschließende Jumpbox in die Anlage integriert.

Man hat viele Möglichkeiten, Lines zu fahren und zudem ist es eine außergewöhnliche Location. Außerdem ging es auch nicht darum, die heftigsten Tricks oder NBDs zu zeigen [Anm. d. R.: „never been done“], sondern vielmehr darum, einen Edit und Fotos zu machen, die sich auf eine neue Art und Weise von der Masse abheben, indem sie zeigen, an welchen unmöglichen Orten BMX möglich gemacht werden kann.

In Ljubljana angekommen begrüßte uns der Himmel mit strahlender Sonne und warmen 30 Grad. Vom Flughafen ging es deshalb auch direkt zur Location. Als wir den Kanal das erste Mal sahen, waren wir ganz schön gestoked. Im trockenen Zustand erinnerte dieser Anblick an die Oberfläche des Mondes. Der Boden war grau und staubig und überall gab es große, schroffe Felsen und Krater. Diese boten aber tatsächlich Möglichkeiten, kreative Lines zu fahren und auch die Jumpbox sah echt solide aus. Eigentlich hätten wir nicht damit gerechnet, dass der Kurs schon befahrbar war, da er zwei Tage zuvor noch von starkem Regen überschwemmt worden war, weswegen die Bauarbeiten gestoppt werden mussten. Außerdem musste eine Lösung gefunden werden, das Wasser aus dem überlaufenden Stausee zurückzuhalten, was wiederum Verzögerungen zur Folge hatte. Trotz allerhand Problemen waren die Arbeiten aber weitestgehend abgeschlossen. Nur ein Plateau, das ein Loch im Auslauf der Jumpbox abdeckte, musste noch begradigt werden. Vor Ort gab es ein Spitzenteam, denn die Jungs hatten immer die passenden Lösungen und setzten sie auch stets prompt um.

Nachdem wir unsere Räder zusammengeschraubt hatten, konnten wir also ein paar erste Runden drehen. Auch ich bin mal in den Kanal reingedroppt und habe ein paar wacklige Versuche gestartet, eine der Quarters zu fahren. Anfangs war es echt gewöhnungsbedürftig, weil der Boden doch ganz schön Kacke war und man beim Fahren ordentlich durchgeschüttelt wurde. Einige Quarters ließen sich aber dennoch ganz gut fahren. Sie ließen sich aber nur durch eine einzige schmale Slalomstrecke erreichen, weswegen an einigen Stellen noch mit Blitzbeton nachgeholfen wurde, um den Speed zu garantieren.

Nach den Testrunden war erst mal Zeit für eine Abkühlung. Neben dem trockengelegten Kanal fanden sich nämlich einige Möglichkeiten, um im eiskalten Bergwasser schwimmen zu gehen. Nach dem Baden gab es dann ein großes Mittagsessen mit der gesamten Crew. Danach war die Mittagshitze überwunden und der Auslauf für die Jumpbox fertiggestellt. Paul traute sich mutig auf den Drop-in-Tower, um das bisher nicht gefahrene Konstrukt zu testen. Gleich beim ersten Versuch stellte er fest, dass der Speedsprung vor der Box noch mal gut zwei Meter nach hinten verlegt werden musste, damit genug Schwung für die Box erreicht wird. Gesagt, getan. Den weiteren Trainingsläufen zusammen mit den Locals stand also nichts mehr im Wege. Nach Sonnenuntergang machten wir uns dann, erschöpft vom ersten Tag, ins Hotel auf, während am Spot die Nachwache anfing. Sie dafür sorgte, dass die ganzen Pumpen am Laufen gehalten wurden, damit auch am nächsten Tag noch alles fahrbar war. Es ist schon krass, was solch ein Projekt für Arbeit bedeutet. Für uns gab es noch ein entspanntes Abendessen in der schönen Innenstadt und dann ging ab ins Bett, da am folgenden Tag die Filmcrew anrücken würde und der Ernst des Spaßes beginnen sollte.

Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück auch zügig los. Nach ein paar Aufwärmrunden wurden die ersten Clips an der Jumpbox in den Angriff genommen. Es wurde ein ziemlich großer Aufwand betrieben und mit mehreren Kameras aus verschiedenen Perspektiven gefilmt. Unter anderem wurde ein Podest für die „Phantom“-Kamera und für Slowmotion-Aufnahmen aufgebaut. Neben der Jumpbox gab es einen ferngesteuerten Kran, der mit feinster RED-Epic-Technik ausgestattet war. Da Paul aber gerne mal etwas höher springt, dauerte es etwas, bis die richtige Position für den Kran gefunden worden war und Paul nicht mehr aus dem Bild sprang. Bei dem Aufwand musste natürlich jeder Shot sitzen. So dauerte es einige Stunden, bis gerade mal eine Handvoll Clips gesammelt war.  Paul schien ein wenig davon genervt zu sein, immer wieder die gleichen Tricks machen zu müssen und dabei die ganze Zeit der prallen Sonne ausgesetzt zu sein, aber der Blick auf die Clips hat ihn wieder wissen lassen, wie geil das alles war. So ging der Tag mit einem Wechsel aus Produzieren und Schwimmabenteuern relativ zügig zu Ende.

Am nächsten Morgen rückte Daniel Wedemeijer aus Holland an, den Paul für dieses Projekt eingeladen hatte. Daniel kam geradewegs von einer Geburtstagsfeier und konnte nur kurz im Flieger entspannen. Aber als er die Trails sah, war er wieder topfit und nach einer kurzen Physio-Massage waren beide bereit, ein paar Trains über die Jumpbox zu filmen. Als die Filmer eine kurze Besprechungspause einlegten, nutzte Daniel die Möglichkeit für ein kleines Nickerchen. Ich dachte: Der steht so schnell nicht wieder auf. Aber als es weiterging, war er da und ballerte gleich einen Frontflip über die Box. Das macht wohl den Profi aus.

Dann war erstmal Mittagspause. Es gab Pizza für alle. Da wir mehr als zehn Pizzen bestellt hatten, gab es sogar ein modisches Paar Hausschluppen mit Firmenlogo gratis dazu. Das sollte aber nicht das einzige Merkwürdige bleiben. Einige der Pizzen waren mit Knackwurst belegt und boten ein ganz neues Geschmackserlebnis.

Gleich am Anfang der nächsten Session zerfetzte sich Paul mehrfach den Hinterreifen, bis mir am Ende nichts anderes übrigblieb, als ihm meinen Satz Laufräder zu spenden. Während mein Bruder kalte  Pizza verspeiste, wurde ich meiner Pflicht als Haus- und Hofmechaniker gerecht und brachte sein Rad wieder auf Vordermann. Es konnte also weitergehen. Ein paar Clips an den „Natural Obstacles“ wollten wir noch reinkriegen. Obwohl es eigentlich viele Lines gab und an einigen Stellen mit Beton nachgebesserte worden war, war es immer wieder sehr schwer, die geplanten Lines umzusetzen. Man kann sich anhand der Bilder kaum vorstellen, wie schwer es tatsächlich war, die kleine Rille zu treffen, in der man nicht ins Strudeln kam. Es ist halt kein glatt polierter Park. Daniel schien es etwas leichter zu fallen, so ließ er sich von dem hubbeligen Boden weniger stören und schoss – wie immer und überall – mit Vollgas durch den Kanal.

Zum Abend wurde dann eine Session an der Wing gefahren. Hier waren auch unsere Freunde und Locals Matej Žan und Danijel Baumgartner am Start. Bei der geilen Action, die nun im Sonnenuntergang stattfand, gaben die Kamerajungs nun etwas weniger Anweisungen, sodass die Jungs endlich mal eine flowige Session fahren konnten.

Für Matej und Danijel war der Auslauf nach dem Step-down und auch das meiste andere ganz schön abenteuerlich. Beide waren brakeless unterwegs, was in dem Waschbrettkanal sicher nicht die entspannteste Variante war. Es war so wackelig, dass sie nicht mal den Fuß absetzen konnten. Sie mussten einfach ausrollen und hoffen, kein Loch zu treffen. Das ging erstaunlich gut, bis Matej im letzten Train des Abends unfreiwillig eine mächtige Pizza vom schroffen Boden abholte. Danijel, der direkt hinter ihm war, konnte eben noch ausweichen, schlug aber ebenfalls hart ein. Außer ein paar Schürfwunden hatte er aber glücklicherweise nichts abbekommen. Damit war das Fahren für diesen Tag beendet.

Am nächsten Tag war schon wieder Abreise angesagt, weshalb es am letzten Abend ein tolles Dinner mit der gesamten Crew gab. Da noch einige Aufnahmen fehlten, mussten wir am folgenden Morgen trotzdem verdammt früh aufstehen, weshalb die erhoffte Party schon wieder ausfiel. [lacht] Um 7 Uhr saßen wir also total verschlafen beim Frühstück. Es gab nicht viel Zeit, denn pünktlich um 7.30 Uhr mussten wir am Spot sein, um das perfekte Licht für einige „Mood“-Shots einfangen zu können. Außerdem musste der ein oder andere Action-Shot auch noch eingetütet werden. Daniel hatte noch eine offene Mission: So heizte er in absolut unmöglicher Hochgeschwindigkeit durch den gesamten Kurs. Dabei sprang er erstmal ein dickes Gap, landete im umgebauten Absprung des Speedjumps, ballerte die Landung der Box hoch, jettete rüber in den schmalen Absprung, um dann den Speed zu haben und mal kurz einen Tailwhip über ein Gap raus aus dem Kajakbecken zu machen. Könnt ihr mir noch folgen? Ist nicht schlimm, den Clip gibt es sowieso bald zu sehen. Aber dort werdet ihr sicher nicht sehen, dass er sich bei diesem Versuch beinahe zerstört hätte. Uiuiui! Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, machte er zum krönenden Abschluss noch einen Bauchklatscher in eine mittelgroße Pfütze, nachdem er über einen Speedbump to Tireslide abgerutscht war.

Danach war es auch wirklich vorbei und er konnte seine Schoner und das nasse, nach abgestandenem Wasser stinkende T-Shirt ausziehen. Es wurden nur noch die obligatorischen  Interviews gefilmt und danach nutzte Paul die verbleibende Zeit, um sich in seine modische Schwimmhose zu werfen und durch die Pfützen zu heizen, bevor es kurze Zeit später zum Flughafen ging. Vorher kam aber noch etwas Hektik auf, als die Schleusen der Anlage ein wenig nachgaben und das Wasser schneller als erwartet zurückkam. Die ganze Crew und wir (Andi Zeiss mit eingeschlossen) halfen nun mit, die Holzkonstrukte der Rampen aus dem Kanal zu schaffen, bevor er wieder vollständig geflutet war. Das war wirklich noch mal richtig cool und beweist wieder einmal, dass BMX verbindet und alle füreinander einstehen. Die Crew um Sebb und Marco hat wirklich fantastische Arbeit geleistet und sich um alles Erdenkliche gekümmert. Die Jungs aus Slowenien waren unglaublich hilfsbereit und ohne ihre Arbeit wäre es wohl unmöglich gewesen, das Projekt umzusetzen. Ich für meinen Teil war dankbar, meinen Bruder auf solch ein Event begleitet haben zu dürfen. Ich war zum ersten Mal in Slowenien und es hat mir sehr gefallen. Obwohl ich die meiste Zeit mit Zuschauen verbracht habe, hat es sehr viel Spaß gemacht, zu sehen, was im BMX noch möglich ist. Es geht nicht immer um die fettesten Tricks, sondern darum, neue Orte und Möglichkeiten zu entdecken.

So, Paul steht gerade hinter mir und möchte die nächsten Zeilen selber schreiben. Ich bedanke mich schon mal bei Paul und allen anderen, für die gute Zeit und dass er mich mitgenommen hat. Haut rein, Max

Yo, ich möchte mich natürlich auch bedanken. Vor allem bei meinem Bro für diesen Text, das ständige Reifenflicken und dass du einfach mein Bruder bist. Natürlich bei meinen Sponsoren, VANS, Total BMX, G&S Distribution, Reell Jeans und ganz besonders bei Red Bull, die mir diesen BMX-Traum erfüllt haben. Bis bald, Paul

 

Ähnliche Artikel

Red Bull Riverbed Trails "Making-Of"

Red Bull Riverbed Trails "Making-Of"

Nachdem jetzt (hoffentlich) alle die Story aus dem Heft und den Action Clip ...

10

Nov

2015

Red Bull Riverbed Trails Slovenia

Red Bull Riverbed Trails Slovenia

Paul Thölen und Daniel Wedemeijer haben Anfang September ein trockengelegtes ...

03

Nov

2015

Red Bull Wild Ride 2014

Red Bull Wild Ride 2014

Der Red Bull Wild Ride in Slowenien war ein voller Erfolg, BMX und MTB, Amateur ...

15

Aug

2014